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Bernd Ternes
  Dr. habil. Bernd Ternes
 

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Wissenschaftlicher BF-Verein

Aus einem über zwei Semester laufenden Forschungsseminar am Institut für Soziologie der FU Berlin entstand der eingetragene wissenschaftliche Beatitude-Fortuning Verein. Er besteht als gemeinnütziger Verein seit 2002 und finanziert sich selbst durch Mitgliedsbeiträge. Er ist in Berlin ansässig (Muskauer Str.30) und veranstaltet regelmäßig eigene Seminare und Colloquien.

Kern der Forschung ist das Sondieren neuer, nicht mehr nur symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien für die gegenwärtige Gesellschaftsform. Forschungspolitisch geht es um die Möglichkeit neuer Allgemeinheits- und Solidaritätsvermittlungen jenseits staatlicher und gemeinschaftlicher Strukturbildungen.

Der Beatitude-Fortuning Verein will rigoroses Glück in die Gesellschaft und in das „Gemüt“ der Menschen implementieren, bzw. zumindest das rigorose Glück fördern.

Die Arbeitsgemeinschaft geht davon aus, daß Glück die einzig entschiedene Gestalt innerhalb der unentscheidbaren Problemfelder menschlichen Umgangs und Mitseins ist, die sich sowohl soziologisch-kulturanthropologisch als auch physisch-biologisch ansprechen und modeln läßt. Dabei gilt es zu unterscheiden zwischen Glück haben vs. glücklich sein, was mit dem Unterschied zwischen beatitudine (ital.)/beatitudo (lat.) und fortuna (lat./ital.) markiert wird.

Der Verein geht von der Behauptung aus, daß Liebe und soziale Anerkennung in den gängigen gesellschaftlichen Formen defizitär bis ruiniert sind. Bis in die heutigen Tage fällen beide seit Beginn der Bürgerlichkeit etwas aus, was mit den Begriffspaaren Individuum versus Gesellschaft, Privates versus Öffentliches, intim versus im team usw. beschrieben wird.

Die Verteilung ist klar: Auf der einen Seite die makrogesellschaftliche Öffentlichkeit, in der es Ziel ist, so weit es geht zu ermöglichen, daß ein anderer in anderer und entgegengesetzter Weise als wir lebt, wirkt und empfindet (Pluralismus, Demokratie, Differenz-Gedanke). Das nennt man sozial. Auf der anderen Seite erscheint die mikrogesellschaftliche Sphäre, also die intime Beziehung, in der es immer noch darum geht, daß ein anderer in gleicher, selber, entgegenkommender Weise wie/als wir lebt, wirkt und empfindet.

Im Fortgang bürgerlicher Gesellschaft wurde diese Seite immer rigoroser, bishin zur Einschätzung der Liebe als genuin asoziale Veranstaltung innerhalb der sozialen Sphäre. Auch das Vermittlungsgeschehen namens Sexualität, das noch zwischen der einen und der anderen Seite Brücken schlagen konnte, scheint ausgereizt. Wir erleben seit gut 40 Jahren, wie eine zunehmende Verödung der Monitore des in-Gesellschaft-Seins korrespondiert mit einer zunehmenden Hermetisierung des Intimseins.

Auf die Verödung hat neuerdings der Kommunitarismus reagiert; unzulänglich, wie wir glauben. Auf die Hermetisierung des privaten Liebesglücks reagieren zur Zeit, wenn wir es recht sehen, zwei Weisen: zum einen die Refiguration der Familie/Ehe (als Vertrags- und Verpflichtungsbund), zum anderen eine Neuausschreibung der Freundschaft. – Auch diese Reaktionen erscheinen uns nicht zulänglich, um Antwort auf die Frage zu finden, wie „sozialpsychische“ Integration der Menschen in zukünftiger Gesellschaft am besten gedacht werden kann.

Also: Becketts „Verschone mich mit deiner Liebe, aber leiste mir Gesellschaft“, wie auch das bürgerlich-privatistische „Verschone mich bitte, Gesellschaft, und laß’ mich wenigstens lieben“ scheinen uns als Anleitungen psychosozialen Aushaltens in der Gesellschaft nicht mehr allzu tauglich zu sein.

Es erscheint uns sinnreich, der alten Währung „Glück“ (neben den vielen externen anderen Währungen wie Moral, Geld, Freiheit, Gerechtigkeit und den vielen internen anderen Währungen wie Glückseligkeit, Glückhaben, Zufriedenheit usw.) neues Gewicht zu geben. Dies im Bewußtsein, daß auf der Spitze der Einsicht in die Unplanbarkeit von Zukunft als auch in die Unplanbarkeit von Glück, also auf der Spitze der Unmöglichkeit von Komplexitätskontrolle, sich die Erkundung des Glücks paradoxal erweist und also nirgends eine Garantie abrufbar ist, die einen davor bewahrt, Unglück zu (re)produzieren.

Der Verein setzt sich praktisch zum Ziel, mittels interdisziplinärer Forschungsprojekte ein mögliches Glück als Kommunikationsmedium zu erforschen. Erforscht werden sollen kulturelle, im engeren: familiale, gruppengenerierte, intime, formal-solidarische, organisatorische und musisch-künstlerische Formen und Weisen des Einbergens, also die je spezifischen Weisen der Bildung und Aufrechterhaltung von sozialen Systemen, deren Kern in einer Nichtgewaltsamkeit der jeweiligen Einheitsbildung besteht. Geforscht werden soll nach den jeweiligen Bindungen und Ursachen von sozialen Systemen, die darauf beruhen, daß sie durch freiwillige Taten zusammengehalten werden.

Die Forschungsarbeit des Vereins setzt sich zum Ziel, der Frage nachzugehen, wie die bis jetzt „nur“ familialen, intimen, organisationsspezifischen usw. Formen gewaltlosen Zusammenhalts so untersucht werden können, daß man aus ihnen etwas ableiten könnte, das für das größte soziale System, die Gesellschaft, die nämliche Funktion übernehmen könnte. Zum Verständnis könnte man – analogisierend – an die historische Genese des staatlichen Gewaltmonopols und an die zivilgesellschaftliche Durchdringung des Rechts denken: beides unabdingbare gesellschaftliche Medien der modernen Gesellschaft, ohne die wir ebendiese nicht mehr denken können und wollen. Beides jedoch Medien, die es auf diesem Gesellschaftsniveau nicht immer waren, historisch gesehen sogar die längste Zeit auf einem nur schwachen Vergesellschaftungsniveau das Leben großer Bevölkerungen prägte (Willkür und Unrecht).

Der Verein setzt sich also zum Ziel, das Phänomen des Glücks, das bisher privat, familial, organisationell usw. auftritt und dort sich ausdrückt in einer gewaltfreien Form des Zusammenhalts und -seins, darauf zu erforschen, inwieweit es ein dezidiert hochvergesellschaftetes Phänomen werden kann, so daß es als gesellschaftliches Medium (wie Recht, Macht, Geld) die schwieriger werdende soziale Integration gegenwärtiger und zukünftiger Gesellschaftsformationen mitübernehmen kann. Die Forschungen nach Erweiterungen und Ergänzungen sozialintegrierender Annerkennungsformen wird dabei einen dezidiert kulturanthropologischen Rahmen entwerfen, der den Sinn hat, dezidiert soziobiologische, ethnische oder gar rassistische Rahmungen zukünftiger Vergesellschaftungen von Menschen entschieden zu begegnen.

Zu solcherart Forschung möchte der Verein seinen Beitrag leisten, grundlagentheoretisch durch die Erstellung von Forschungskonzepten, organisatorisch durch die – wenn möglich – finanzielle Unterstützung konkreter Forschungsprojekte.